Essstörungen und Soziale Medien: Was Eltern wissen sollten und wie sie ihre Kinder schützen können!
Soziale Medien sind fester Bestandteil des Alltags vieler Jugendlicher. Plattformen wie Instagram, TikTok und Pinterest bieten Inspiration, Vernetzung und Unterhaltung. Doch gleichzeitig setzen sie Jugendliche einem ständigen Strom von idealisierten Körperbildern, Diät-Trends und Fitness-Challenges aus.
Psychologische Studien bestätigen, dass hohe Social-Media-Nutzung mit einem erhöhten Risiko für Essstörungen zusammenhängt:
- Eine Meta-Analyse (Griffiths et al., 2018) zeigte, dass intensive Instagram-Nutzung mit einer höheren Körperunzufriedenheit und mehr gestörtem Essverhalten korreliert.
- Eine Studie von Fardouly et al. (2015) belegte, dass Frauen nach dem Betrachten von idealisierten Bildern auf Instagram unzufriedener mit ihrem Körper waren.
TikTok und Essstörungen: Neuere Untersuchungen zeigen, dass TikTok besonders problematisch sein kann, da die Plattform automatisch ähnliche Inhalte vorschlägt – ein gefährlicher Kreislauf für Betroffene.
Wie beeinflussen soziale Medien das Körperbild von Jugendlichen?
Die Pubertät ist eine Zeit großer Veränderungen – auch im Körperbild. Soziale Medien verstärken oft Unsicherheiten, indem sie unrealistische Schönheitsideale präsentieren. Besonders problematisch sind dabei:
- Perfekte Körper durch Filter und Photoshop Viele InfluencerInnen zeigen makellose Haut, schlanke Taillen und durchtrainierte Körper. Jugendliche sehen nur das Ergebnis am Bildschirm, nicht dass diese oft stark bearbeitet wurden.
- Vergleichsdruck: Jugendliche vergleichen sich mit scheinbar „perfekten“ Körpern und fühlen sich unzulänglich.
- Diät und Fitness Trends: Hashtags wie #WhatIEatInADay oder #BodyGoals fördern restriktives Essverhalten.
Dadurch empfinden Jugendliche ihren Körper als „nicht gut genug“ und entwickeln ungesunde Essgewohnheiten oder einen übertriebenen Fokus auf ihr Aussehen.
Nicht jede intensive Nutzung sozialer Medien führt zu einer Essstörung. Doch für manche Jugendliche kann sie ein Risikofaktor sein, besonders wenn sie bereits mit Unsicherheiten kämpfen.
Warnsignale für problematischen Social-Media-Konsum:
-Verändertes Essverhalten durch z. B. Plötzliches Meiden bestimmter Lebensmittel oder extreme Diäten.
- Übermäßige Selbstkritik: Häufige negative Kommentare über das eigene Aussehen.
-Vergleichszwang: das Kind verbringt viel Zeit damit, sich mit anderen zu vergleichen.
-Heimliche Nutzung von Social Media: Versteckte Accounts oder ständige Nutzung in der Nacht.
-Rückzug aus sozialen Kontakten: Weniger Interesse an Hobbys oder Treffen mit Freunden.
Eltern sollten aufmerksam werden, wenn sich das Verhalten ihres Kindes ändert und sich zunehmend um Essen, Gewicht oder Aussehen dreht.
Soziale Medien als Nährboden für Essstörungen: Pro-Ana & Pro-Mia-Inhalt
Besonders gefährlich sind Inhalte, die Essstörungen verherrlichen oder verharmlosen. Diese finden sich in sogenannten „Pro-Ana“ (pro Anorexie) und „Pro-Mia“ (pro Bulimie) Communitie.
Typische Inhalte solcher Gruppen:
„Thinspiration“ und „Fitspiration“: Schlanke Körper als „Inspiration“, oft mit Slogans wie „Hunger fühlt sich besser an als satt sein.“
Tipps zum Kalorienzählen und Hungern:Ratschläge, wie man Mahlzeiten auslässt oder den Hunger unterdrückt. Triggernde Vorher-Nachher-Fotos: Zeigen extreme Gewichtsverluste als „Erfolg“.
Das größte Problem dabei
- Algorithmen verstärken das Problem Wer einmal nach Diät-Tipps sucht, bekommt immer mehr extreme Inhalte vorgeschlagen.
-Geheime Codes & Hashtags: Inhalte werden oft verschleiert (#ana, #edrecovery als Fake-Tarnung).
Eltern sollten darauf achten, welche Inhalte ihr Kind konsumiert und bei Bedarf das Gespräch suchen. Sie können aktiv dazu beitragen, dass ihre Kinder einen gesunden Umgang mit Social Media und ihrem Körper entwickeln.
1. Medienkompetenz fördern, gemeinsam reflektieren
- Erklären Sie, dass viele Bilder bearbeitet sind und nicht der Realität entsprechen.
- Schauen Sie gemeinsam Accounts an, die vielfältige und realistische Körperbilder zeigen (#BodyPositivity).
- Ermutigen Sie Ihr Kind, sich nicht mit Influencer:innen zu vergleichen.
2. Interesse zeigen und offen bleiben
- Fragen Sie Ihr Kind: „Wie fühlst du dich nach dem Scrollen durch Instagram/TikTok?“
- Ermutigen Sie Ihr Kind, über Unsicherheiten zu sprechen, ohne es zu verurteilen.
- Seien Sie ein/e verständnisvolle/r GesprächspartnerIn, damit Ihr Kind sich bei Sorgen an Sie wendet.
3. Grenzen setzen und bewusste Nutzung fördern
- Bildschirmzeiten begrenzen, um endloses Scrollen zu vermeiden.
-Regelmäßige Social-Media-Pausen einführen („digital detox“).
- Keine Handynutzung vor dem Schlafengehe, um negativen Einfluss auf die Psyche zu reduzieren.
4. Warnzeichen ernst nehmen und professionelle Hilfe suchen
- Wenn sich das Essverhalten oder die Stimmung stark verändert, holen Sie sich Unterstützung.
- Erste Anlaufstellen: Hausarzt, Beratungsstellen für Essstörungen, Psychotherapie.
5. Vorbild sein
- Kinder übernehmen oft das Verhalten ihrer Eltern; reflektieren Sie Ihren eigenen Umgang mit Essen und Körperbild.
- Vermeiden Sie negative Kommentare über das eigene oder fremde Aussehen („Ich muss dringend abnehmen!“).
- Zeigen Sie einen entspannten Umgang mit Essen und Bewegung.
Ein bewusster Umgang mit Social Media schützt Kinder
Soziale Medien sind nicht per se schlecht, sie können ein Ort der Inspiration und des Austauschs sein, aber auch Risiken mit sich bringen, wenn sie das Körperbild verzerren und ungesunde Essgewohnheiten fördern.
Durch einen offenen, wertschätzenden Umgang mit dem Thema können Sie Ihr Kind dabei unterstützen, ein positives Selbstbild und ein gesundes Essverhalten zu entwickeln
Michaela Tollo, Zentrum Mensch